Das Problem bin nicht ich!

Die aktuelle #metoo Debatte verschafft einem Thema Aufmerksamkeit, das sonst häufig kleingeredet, verschwiegen oder verleugnet wird: Sexismus. Es ist ein sensibles Thema und ich habe große Hemmungen mich dazu zu äußern, da ich mich nicht wirklich als Opfer bezeichnen würde. Ich habe zum Glück, ja um Himmels willen, Gott sei Dank, niemals eine körperliche Missbrauchssituation erleben müssen. Aber durch die ganze Bewegung bin ich darauf aufmerksam geworden, wie viel Alltagssexismus wir eigentlich ausgesetzt sind. Und auch wenn ich somit nur über „harmlose“ (wenn man in dem Zusammenhang so ein Wort verwenden kann) verbale Belästigung reden kann, die mir widerfahren ist, haben auch diese Situationen immer ein Gefühl bei mir hinterlassen: Schuld. Und durch die Kampagne ist mir- und ich hoffe ganz vielen anderen Personen auch- endlich etwas bewusst geworden: Das Problem bin nicht ich.

 

Das Problem bin nicht ich, wenn ich in einer kurzen Hose kellnere. Das gibt dem alten Stammgast nicht das Recht mir nachzupfeifen und „schickes Höschen“ hinterherzurufen. Und nein, so etwas machen definitiv auch keine 40% Trinkgeld wieder gut.

Das Problem bin nicht ich, wenn ich ihn nach dem ersten Date nicht küssen will, auch wenn wir uns gut verstanden haben und er die Getränke bezahlt hat. Das gibt ihm nicht das Recht, wütend zu reagieren und mich „verklemmt“ zu nennen.

Das Problem bin nicht ich, wenn ich im Fitnessstudio Kniebeugen mache und Männer in der Nähe sind. Es gibt ihnen nicht das Recht, sich hinter mich zu stellen und mich dabei anzugaffen oder meine Figur zu kommentieren.

Das Problem bin nicht ich, wenn ich nachts alleine im Dunklen nachhause gehe. Es gibt der Gruppe Betrunkener nicht das Recht, mir nachzupfeifen und mir ein Stück hinterherzulaufen.

Das Problem bin nicht ich, wenn ich ihm nach seiner plumpen Anmache nicht meine Handynummer gebe. Es gibt ihm nicht das Recht, beleidigend zu werden und mich „zickig“ zu nennen.

 

Auch wenn ich immer wieder mit Schuldgefühlen zurück geblieben bin und Gedanken wie „Ich hätte mich anders kleiden sollen“, „Was laufe ich auch alleine rum?“ und „Das war echt blöd von mir“ durch meinen Kopf schossen, muss ich mich selbst nun immer wieder an eins erinnern: Das Problem bin nicht ich!

Das Problem bin nicht ich, das Problem bist nicht du, das Problem ist nicht die falsche Kleidung, die falsche Uhrzeit oder der falsche Ort.

Das Problem ist Sexismus!

 

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