Im Zwiespalt der Comfortzone

Ich hänge an meiner Routine. Und damit meine ich, eigentlich hänge ich auch ein bisschen in ihr fest. Und da komme ich in meinen alltäglichen Zwiespalt…

 

Ich habe gerne die Kontrolle, einen Plan und ein klares Ziel. Wäre gerne spontan, aber leider bringen mich Richtungswechsel schnell aus der Fassung. Da verliere ich den Boden unter den Füßen und den Halt, den ich in meinen Mustern gefunden habe. 

Doch bin ich trotzdem hin und her gerissen zwischen „Ich will das große Abenteuer“ und „Das ist mir alles ungeheuer“. Ich frage mich, bin das wirklich ich, die nichts ändern will oder ist es bloß Angst? Ist vielleicht WIRKLICH alles gut und warum soll man aufgeben, was einem gut tut? 

Und dann denke ich, was ich alles erleben könnte, wenn ich loslasse, denke an alles, was ich grade verpasse… Aber ist es verpassen, wenn alles längst sitzt? Heißt leben immer nach mehr streben, immer mehr geben, immer weiter gehen? Darf ich nicht stehen bleiben, wenn ich mag, wo ich bin? 

Dann zerbreche ich mir den Kopf über Erwartungen von Außen und Innen, will etwas wagen, denn wer nicht wagt, kann auch nicht gewinnen…aber wer gar nicht erst spielt, kann auch nicht verlieren und wozu eigentlich etwas riskieren? 

Und letztendlich komme ich zu der Einsicht: Es ist nicht schlecht, auf der richtigen Stelle zu stehen, aber schlecht ist, ist sich im Kreis zu drehen. Denn hätte ich meinen Platz schon gefunden, dann hätte ich all‘ diese Zweifel längst überwunden. Wäre angekommen, statt festgefahren.

Muss mir eingestehen, ich bin noch nicht ganz da. Hab bloß nach all‘ den Jahren die Comfortzone mit Glück verwechselt. Und es wird langsam Zeit den Platz zu wechseln, weiterzusehen und weiterzugehen. Ich werde wissen, wann es richtig ist, sobald ich nicht mehr fürchte, dass es falsch sein könnte.

 

Wenn möglich, bitte wenden…

Manchmal vermisse ich einen Wegweiser,

bin eine Reisende, die ihr Ziel nicht kennt,

die wegrennt vor der Entscheidung,

die Festlegen gleichsetzt mit Festgefahren

und darin vor allem „Gefahr“ liest,

die an einer Kreuzung steht und sich lieber

im Kreis dreht, als einen Weg einzuschlagen,

die ewigen Fragen nach dem „und später?“

mit Schulterzucken abtut und so tut,

als würde sie „es wird schon schief gehen“

nicht ganz so wörtlich meinen.

Und manchmal vermisse ich eine Richtlinie,

die mir zeigt, dass ich richtig liege,

wenn ich keine Luft mehr kriege unter dem

Schwall an Möglichkeiten,

Chancen, Optionen und Alternativen,

ich hab Multiple Choice schon immer vermieden.

„Die Welt steht dir offen“, haben sie gesagt

und ich habe so viele offene Fragen gehabt,

auf die ich bis heute keine Antwort finde,

mich gedanklich lieber an das Jetzt binde,

das Wort „Zukunft“ aus meinem Duden streiche

und abwarte, was passieren wird,

wenn das Leben alleine navigiert.

 

Frühlingsneuanfang

Es ist Frühling und Zeit für einen Neuanfang

Ich hab mich viel zu lang schon mit Zweifeln gequält,

habe die Momente gezählt, die auf der Pro Seite stehen

Habe versucht zu verstehen, warum ich nicht glücklich bin

Und habe mir eingeredet „wir kriegen das hin“,

Hab mir Mühe gegeben, es zu erzwingen aber

Es ist Frühling und Zeit für einen Neuanfang

Denn von Anfang an war es niemals leicht

Ich habe gedacht, dass das reicht, was uns zusammenhält.

Habe die Dinge gezählt, die dafür sprechen,

Habe darauf gezählt, dass du dich ändern willst

Habe gedacht wir kämpfen zusammen aber letztendlich

Stand da nur ich und hab’s allein ausgetragen,

Ich habe so viele Fragen und nie eine Antwort bekommen,

Jetzt ist Frühling und die Zeit für einen Neuanfang gekommen,

Es wird wärmer und ich will die Sonne reinlassen,

Hab es leid,  ein weiteres Lachen zu verpassen

Weil du es mir raubst,

Habe all meine Kraft aufgebraucht

Durch Festhalten an deinen falschen Versprechen

Durch letzte Chancen, die nie die Letzten blieben

und letztendlich ist da nichts als Leere geblieben

Doch jetzt ist Frühling und die Zeit für einen Neuanfang

Und manchmal fängt man am besten mit einem Schlussstrich an.

Schubladengedanken

Manchmal, da will ich mir eine Schublade bauen

Und mich in ihr verstecken

Doch meine Ecken und Kanten

Finden dort keinen Platz

 

Zwischen Genie und Wahnsinn

Lag mir das Festlegen noch nie,

Das Mathe Abi mit eins

Aber Schwierigkeiten eins und eins zusammen zu zählen,

Zwischen Ordnungsfreak und Chaoskopf,

Stopf ich tütenweise Kram in die Schränke

Aber kann offene Türen nicht ertragen,

Hab den roten Faden noch nie gesehen,

Und habe aufgegeben zu verstehen,

Wieso ich zu faul bin, zum Kühlschrank zu laufen

Aber mich kurz darauf stundenlang beim Sport austob‘

Warum ich Lob nicht annehmen kann

Aber bei Kritik schnell weine

Zwischen Sensibelchen und Ist-Mir-Egal,

Ein Freigeist- in eigenen Gedanken gefangen,

 

Will ich mir manchmal eine Schublade bauen

Und mich in ihr verstecken

Doch meine Ecken und Kanten

Finden dort keinen Platz

 

Zwischen Beziehungsmensch und Einzelgänger

Auf der Suche nach Nähe ohne mich nahbar zu machen,

Liebe ich offene Gespräche aber geb‘ mich verschlossen

Will ich dir alles erzählen aber du darfst nichts wissen,

Zwischen „No risk no fun“ und „Comfortzone“,

Gehe ich gern zu weit, aber nur falls ich es schaffe

dafür mein Haus zu verlassen

 

Denn manchmal will ich mir lieber eine Schublade bauen

Und mich in ihr  verstecken

Doch meine Ecken und Kanten

Finden dort keinen Platz

 

Zwischen Neugierde und Beständigkeit

Gucke ich dieselbe Serie zwanzig Mal

Aber empfinde es als Qual

Keine neue Herausforderung zu haben

Zwischen Bescheidenheit und Eitelkeit

Erwarte ich deine volle Aufmerksamkeit

Kann aber selbst kaum in den Spiegel schauen,

Mache hundert Bilder von mir selbst

Aber laufe vor jedem Schnappschuss davon

 

Und würde mir lieber eine Schublade bauen

Mich in ihr  verstecken

Doch meine Ecken und Kanten

Finden dort keinen Platz

 

Und außerdem bin ich handwerklich nicht begabt,

Obwohl ich Kunst und Kreativität so sehr mag

Entspringt das alles nur meinem Kopf

Gelangt eventuell auf Papier,

Doch eine Kategorie, die gibt es für mich nicht

Ich pendle irgendwo dazwischen

Weder schwarz noch weiß

Und weiß selbst noch nicht so genau,

Wer ich morgen bin, oder wie oder wo,

Aber eins ist sicher und ändert sich nie:

Die Schublade bleibt nichts als bloße Fantasie.

Think before you speak: 5 Sätze, die ich einfach nicht mehr hören kann

1. „Du siehst echt viel jünger aus. Aber hey, später wirst du dich darüber freuen.“

– als Reaktion auf mein Alter. Wie oft ich diesen Satz hören müsste. Erst immer das „Du siehst viel jünger aus“, und als eine Art „Entschuldigung“ auf mein Augenverdrehen- denn ich weiß (!!!) das ja, ich bin mir durchaus bewusst, dass ich recht jung aussehe- kommt dann immer ein „Sieh das doch als Kompliment, später wirst du dich darüber freuen.“ Wurde mir mit 12 gesagt, mit 14, mit 16 und auch jetzt mit über 20 noch. Erstens: Wann kommt dieses „später“? Und 2. Habe ich auch eigentlich kein Problem damit wie (alt oder auch jung) ich aussehe, ich frage mich nur, warum es immer thematisiert werden muss denn 3. Wie fänden diese Personen es, wenn ich zu ihnen sagen würde: „Oh, erst 35? Tut mir leid, du siehst echt viel älter aus- aber nimm es als Kompliment, als Jugendliche musstest du bestimmt nie einen Ausweis zeigen.“ Ja, sicher fänden sie das gar nicht so lustig…

 

2. „Ist das nicht etwas schwer?“ / „Komm, ich helfe dir/spotte dich…“

– Ganz ehrlich! Ich weiß schon was ich tue, wenn ich trainiere. Aller Anfang ist schwer und ich hatte ganz ganz wunderbare Unterstützung von meinem Freund, der seit Jahren diesen Sport macht und wirklich der beste Lehrer ist, den man sich wünschen könnte- ich vertraue da keinem professionellen Trainer, Internetbeitrag, YouTube Tutorial oder sonst was mehr. Es kursieren 5000 Meinungen zum Thema Fitness und ich habe eine gefunden, auf die Verlass ist, und mich streng daran gehalten, immer nachgefragt und viel dazu gelernt. Ich bin sicher nicht perfekt, aber ich denke, ich weiß zumindest was ich tue, um mich nicht zu verletzen. Und das ist ja der Punkt: Gut gemeinte Ratschläge und Kritik kann ich natürlich annehmen, aber häufig – oder eigentlich meistens- ist das gar nicht die Intention. Oft ist es nur der Versuch, mit Halbwissen zu prahlen und mich dann in ein Gespräch zu verwickeln- und es tut mir Leid, aber dafür gehe ich nicht zum Training. Es hat auch seinen Grund, dass ich Kopfhörer drin habe. Getoppt werden diese plumpen Anquatschversuche nur von den ganz großen Experten, die mitten im Satz- obwohl ganz offensichtlich keine Notwendigkeit besteht- eingreifen und mir damit meine letzten Wiederholungen ruinieren. Hilfsbereitschaft in allen Ehren, aber wenn ich nicht darum bete und auch gut alleine zurechtkomme fühle ich mich durch solche Aktionen einfach nur klein gemacht.

3. „Du isst aber ganz schön viel/wenig/bedacht/ungesund/komisch/langsam/schnell…“

Es macht mich unfassbar wütend, wenn jemand mein Essverhalten kommentiert. Das mag an persönlichen Schwierigkeiten mit dem Thema liegen, aber ich glaube auch abgesehen davon finde ich, Ernährung ist etwas Persönliches. Jeder hat da seine eigenen Präferenzen- Geschmäcker, Hungergefühl und auch Einstellungen hinsichtlich Vegetarismus, Veganismus sind nun mal verschieden. Und ich finde jeder muss für sich selbst entscheiden, was ihm gut schmeckt und gut tut. Natürlich halte ich sowohl Umweltbewusstsein als auch Gesundheit für sehr wichtige Themen, aber man kann erstmal bei niemandem sowas erzwingen, da ist jeder für sich selbst verantwortlich und außerdem hat jeder seine eigene Auslegung dieser Dinge. An erster Stelle steht doch, wie man sich selbst damit fühlt- sowohl moralisch, als auch körperlich. Und wenn es einem damit gut geht, macht man es anscheinend (für sich) richtig (damit sage ich nicht, dass man bei gesundheitlicher Gefährdung nicht Hilfe anbieten darf, es geht hier um etwas völlig anderes).

5sätze3

4. „Frauen sollten/müssen/ dürften nicht…“

Und wer hat diese Regel gemacht? Wer hat bestimmt, dass Frauen so und so aussehen, reden, arbeiten oder denken sollen? Das ist ein Thema über das ich viel zu viel schreiben könnte, aber ich versuche es kurz zu fassen: Ich halte es für wirklich sehr reduziertes Denken, ALLE FRAUEN in einen Topf werfen zu wollen, oder nicht? Ich kann, soll, muss, darf und bin wie es mir halt passt 🙂

5. „Es könnte alles viel schlimmer sein.“

Ja, ich bin auch für Optimismus- positives Denken bringt einen mit Sicherheit weiter als Selbstmitleid. Aber: Diese Vergleiche regen mich so auf. Wenn ich mir über etwas Gedanken mache oder mich ärgere, ist mir sehr wohl bewusst, dass es nicht um mein ganzes Leben geht. Dass ich im Großen und Ganzen sehr zufrieden sein kann (und auch bin) und dass ich dankbar sein sollte (und definitiv auch bin!). Das hilft aber in solchen Momenten recht wenig. Denn wenn mich etwas verletzt/ beschäftigt oder aufregt, dann kann ich mir diese Gefühle nicht aussuchen. Dann kann ich nicht einfach „locker bleiben“ und darüber hinwegsehen, so gerne ich das auch wollen würde. Und da helfen solche Floskeln ehrlich gesagt herzlich wenig 😀