I am my own: über Rechtfertigungen und das Einstehen für sich selbst

„One day I woke up and realised I was not made for anyone, I was made for me. I am my own.“

Ich bin es leid, mich rechtfertigen zu müssen. Ich bin es leid, mich erklären zu müssen. Ich bin es leid, jeden meiner Schritte hinterfragen zu lassen.

Das ist etwas, was mir in letzter Zeit mehr und mehr klar geworden ist. Ich bin  allgemein eine Person, die sich schwer tut mit Entscheidungen. Und wenn ich diese dann treffe, ist es umso schlimmer für mich, wenn sie immer kritisch hinterfragt werden. Es geht nicht darum, dass ich keine Hilfe annehmen möchte, Unterstützung und gut gemeinte Ratschläge sind natürlich in Ordnung. Worum es mir geht sind Meinungen, nach denen ich nicht gefragt habe. Solche, die mich nur verunsichern. Solche, die eben nicht helfen, sondern klein machen wollen. Solche, die mich nicht weiterbringen, sondern zurückhalten.

Mir fallen etliche Beispiele ein. Angefangen beim „freizügigeren“ Bild auf meinem Instagram Account, über meine Entscheidung, in meiner geliebten Stadt Bonn zu bleiben und für den Master nicht die große, weite Welt zu erkunden (ich bin 21, die Welt steht mir noch den Rest meines Lebens genauso offen), bis hin zu meinen Ideen, mal alleine zu verreisen, mir ein Tattoo zu stechen, aus meiner WG auszuziehen, immer weniger tierische Produkte zu mir zu nehmen, jeden Tag zum Sport zu gehen… Das sind Angriffspunkte. Da wollen Menschen sich einmischen. Da haben Leute eine andere Meinung zu. Und das ist auch total okay, aber – ich habe nicht danach gefragt.

Mein Leben, meine Entscheidungen. Denn all diese Dinge haben eins gemeinsam: sie betreffen ganz alleine mich. Ich tue damit niemandem weh, ich belaste damit niemanden (ok vielleicht mit dem Anblick meiner nackten Haut aber hey, niemand muss mir folgen :D), ich erwarte nichts von irgendjemanden – außer in Frieden gelassen zu werden. Ich sein zu dürfen. Ohne es erklären, rechtfertigen oder gar entschuldigen zu müssen. Denn ich bin ich und das tut mir nicht leid.

Am Ende des Tages muss ich vor allem eine Person glücklich machen und das bin ich selbst – ich versuche also, weniger auf diese Dinge und immer mehr auf mich selbst zu hören. Wenn es sich für mich richtig anfühlt, ist es auch richtig. Und niemand hat das Recht, es mir falsch zu reden.

 

Im Zwiespalt der Comfortzone

Ich hänge an meiner Routine. Und damit meine ich, eigentlich hänge ich auch ein bisschen in ihr fest. Und da komme ich in meinen alltäglichen Zwiespalt…

 

Ich habe gerne die Kontrolle, einen Plan und ein klares Ziel. Wäre gerne spontan, aber leider bringen mich Richtungswechsel schnell aus der Fassung. Da verliere ich den Boden unter den Füßen und den Halt, den ich in meinen Mustern gefunden habe. 

Doch bin ich trotzdem hin und her gerissen zwischen „Ich will das große Abenteuer“ und „Das ist mir alles ungeheuer“. Ich frage mich, bin das wirklich ich, die nichts ändern will oder ist es bloß Angst? Ist vielleicht WIRKLICH alles gut und warum soll man aufgeben, was einem gut tut? 

Und dann denke ich, was ich alles erleben könnte, wenn ich loslasse, denke an alles, was ich grade verpasse… Aber ist es verpassen, wenn alles längst sitzt? Heißt leben immer nach mehr streben, immer mehr geben, immer weiter gehen? Darf ich nicht stehen bleiben, wenn ich mag, wo ich bin? 

Dann zerbreche ich mir den Kopf über Erwartungen von Außen und Innen, will etwas wagen, denn wer nicht wagt, kann auch nicht gewinnen…aber wer gar nicht erst spielt, kann auch nicht verlieren und wozu eigentlich etwas riskieren? 

Und letztendlich komme ich zu der Einsicht: Es ist nicht schlecht, auf der richtigen Stelle zu stehen, aber schlecht ist, ist sich im Kreis zu drehen. Denn hätte ich meinen Platz schon gefunden, dann hätte ich all‘ diese Zweifel längst überwunden. Wäre angekommen, statt festgefahren.

Muss mir eingestehen, ich bin noch nicht ganz da. Hab bloß nach all‘ den Jahren die Comfortzone mit Glück verwechselt. Und es wird langsam Zeit den Platz zu wechseln, weiterzusehen und weiterzugehen. Ich werde wissen, wann es richtig ist, sobald ich nicht mehr fürchte, dass es falsch sein könnte.

 

„Wir haben so viel Zeit“

„Wir haben so viel Zeit“
Hast du gesagt und ich habe mich gefragt, was genau das heißt.
Es klang nach unendlich, aber jeder weiß doch, dass es das nicht gibt
„Wir haben so viel Zeit“
Hast du gesagt und dass wir den Moment genießen sollten,
wenn wir wollten stünde uns die Welt offen, heute genauso wie morgen.
„Wir haben so viel Zeit“
Hast du gesagt und gelacht
über jeden Plan, den ich gemacht habe,
weil das nicht deine Art ist zu leben und erstrecht nicht zu lieben.
„Wir haben so viel Zeit“
Hast du gesagt, aber die Zeiger liefen weiter und letztendlich
liefst du weiter und ich hatte die ganze Zeit plötzlich für mich.

„Me Time“- über die Kunst alleine, aber nicht einsam zu sein 

 

 

Ich kenne so viele Leute, die immer unter Menschen sein müssen und früher war ich ganz genauso. Jede Sekunde musste verplant sein und am besten immer in Gesellschaft. Inzwischen habe ich mich in der Hinsicht stark verändert. Ich genieße es total, Momente für mich zu haben. Natürlich liebe ich meine Freunde und Familie, aber es tut manchmal einfach gut, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen, eigenen Bedürfnissen nachzugehen ohne Rücksicht nehmen zu müssen und einfach mal durchzuatmen. Und ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass man das kann. Denn wenn man sofort Einsamkeit verspürt, sobald man alleine ist, ist das meiner Meinung nach ein Zeichen, dass irgendwas nicht im Reinen ist. Denn sonst kann es total schön sein, mal Zeit nur mit sich zu verbringen. Ein paar Dinge, die ich inzwischen ab und zu total gerne ohne Gesellschaft mache, sind:

 

Kaffee trinken: Früher hätte ich mich wohl nie alleine in ein Café gesetzt. Ich komme auch aus einer „Kleinstadt“, in der man quasi jeden kennt und da wäre es mir irgendwie unangenehm gewesen. Seitdem ich in Bonn wohne, gehört das für mich total dazu. Ich arbeite gerne bei einem Kaffee und sowieso ungern zuhause. Natürlich auch gerne mal mit „Study Buddies“ zusammen, aber es macht mir überhaupt nichts, alleine im Café zu sitzen- ganz im Gegenteil, produktiver bin ich so auf jeden Fall  🙂

 

 

Spazieren: Einfach spontan am Rhein spazieren, eine Runde durch die Stadt gehen oder ähnliches. In Ruhe nachdenken klappt dabei viel besser und da braucht es nicht immer eine Begleitung. Manchmal gehe ich einfach kurz nur eine kleine Strecke, um etwas frische Luft zu schnappen und Bewegung zu kriegen.

 

 

Gemütlicher Abend: Warum braucht man für einen Netflix oder DVD Abend immer eine Verabredung? Manchmal ist es auch schön, frei über den Film entscheiden zu können und nicht erst eine Diskussion darüber führen zu müssen- und Schokolade teile ich auch gar nicht sooo gerne 😀

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Sport: Ich persönlich gehe total gerne alleine trainieren und verstehe die Leute nicht, die eine(n) Trainingspartner/-in als Motivation brauchen. Sowieso höre ich am liebsten Musik beim Sport und ziehe gerne mein eigenes Programm durch. Ab und zu mal eine Begleitung zu haben finde ich schön, aber für mein alltägliches Training habe ich eigentlich lieber meine Ruhe 🙂

 

Ich finde es inzwischen super wichtig, Zeit für mich zu haben. Das war wie gesagt früher anders, und ist auch bestimmt nicht für jeden so. Aber ich persönlich bin richtig ausgepowert, wenn ich nie mal Momente alleine habe. So sehr ich Zeit mit Freunden genieße, manchmal tut es einfach super gut komplette „Me Time“ zu haben. Ich finde es auch toll, wenn Leute alleine verreisen und möchte das irgendwann in Zukunft auch mal machen (vielleicht erstmal zur Gewöhnung nur einen kleinen Kurztrip).
Wie seht ihr das, braucht ihr auch diese Auszeiten oder seid ihr lieber immer unter Menschen? 🙂

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Wenn möglich, bitte wenden…

Manchmal vermisse ich einen Wegweiser,

bin eine Reisende, die ihr Ziel nicht kennt,

die wegrennt vor der Entscheidung,

die Festlegen gleichsetzt mit Festgefahren

und darin vor allem „Gefahr“ liest,

die an einer Kreuzung steht und sich lieber

im Kreis dreht, als einen Weg einzuschlagen,

die ewigen Fragen nach dem „und später?“

mit Schulterzucken abtut und so tut,

als würde sie „es wird schon schief gehen“

nicht ganz so wörtlich meinen.

Und manchmal vermisse ich eine Richtlinie,

die mir zeigt, dass ich richtig liege,

wenn ich keine Luft mehr kriege unter dem

Schwall an Möglichkeiten,

Chancen, Optionen und Alternativen,

ich hab Multiple Choice schon immer vermieden.

„Die Welt steht dir offen“, haben sie gesagt

und ich habe so viele offene Fragen gehabt,

auf die ich bis heute keine Antwort finde,

mich gedanklich lieber an das Jetzt binde,

das Wort „Zukunft“ aus meinem Duden streiche

und abwarte, was passieren wird,

wenn das Leben alleine navigiert.

 

Normal ist Ansichtssache

Ein kleiner, ganz spontaner Blogeintrag, den ich eigentlich nur geschrieben habe, weil 1. eine ganz bestimmte Person gerne wissen wollte, was für mich ein normales Leben bedeutet und 2. ich mich vor einem Haufen Unikram drücken möchte 🙂 

 

 

Normal ist, wenn ich es nicht hinterfragen muss

Weil ich glücklich bin, wie es ist,

Weil ich nichts vermiss und weil ich bei mir bin.

Normal ist, wenn ich zwar nicht angekommen bin,

Aber auf guten Weg, wenn ich alles geb‘

Und dann auch dafür belohnt werde,

Normal ist, wenn ich morgens aufwache

Und einen Tag erwarte, der gefüllt ist mit

Dingen, die mich beschäftigen und Pausen, die mich bekräftigen.

Normal ist, wenn ich selbst entscheiden darf,

Wenn ich tue was ich muss und manchmal was ich mag,

Wenn sich Stress und Ruhe die Waage halten,

Wenn ich viel lache und auch mal weine,

Wenn ich nicht ständig vergleiche und frage,

Was andere wohl tun oder haben,

Weil ich glücklich bin, wie es ist,

Weil ich nichts vermiss und weil ich bei mir bin.

Wenn ich keinen Neid verspür,

Wenn sich zwar eine Tür schließt aber

Durch das Fenster frische Luft rein weht und

Meine Reise weitergeht,

Wenn ich mich ins Abenteuer stürz, einfach aus Lust und Laune,

Wenn ich zuhause bleibe und mit niemandem sprech‘, einfach weil ich es brauche,

Wenn ich bei einer Entscheidung auf mein Herz höre und nicht auf die Stimme von außen,

Wenn mich Vorwürfe und Kritik nicht umwerfen, weil ich zu mir stehe,

Ich sie aber annehmen und hinnehmen kann.

Normal ist, wenn ich meine eigene Rückendeckung bin

Und mich trotzdem manchmal gerne anlehne,

Mich nach deiner Schulter sehne und nach einer Umarmung,

Und das obwohl ich glücklich bin, wie es ist,

Weil ich nichts vermiss und weil ich bei mir bin,

Aber solche Momente dazugehören,

Normal ist wohl, sie zu akzeptieren,

Zwischen Vernunft und Herz zu variieren.

Normal ist nicht zu definieren,

Weil nur ich weiß, was es für mich heißt

Und auch wenn du es mir manchmal nicht glaubst,

Ich glücklich bin, wie es ist,

Und auch wenn das nicht deiner Vorstellung entspricht,

Das bin ich, in meinem persönlichen Gleichgewicht.

Herzöffner

 

Kennt ihr das, diese Kleinigkeiten, die euch zum Lächeln bringen? Ich habe schon mal einen Beitrag geschrieben über meine Alltagsanker, Dinge die mir helfen, in stressigen Zeiten runterzukommen und mich trotz der Hektik durchatmen lassen. In diesem Text soll es eher um Dinge gehen, die unbewusst passieren, mir aber trotzdem regelmäßig ein kurzes (oder auch längeres) Gefühl kompletter Zufriedenheit verschaffen. Bestimmt teilen wir manche und jeder hat auch seine ganz persönlichen kleinen Augenblicke, die ihm oder ihr das Herz öffnen J

 

Glücklich,
wenn sich die Sonne durch die Wolken wagt und den Winter vertreibt,
wenn es leicht ist aufzustehen, weil ich genug Schlaf bekommen habe,
wenn wir reden und ich dir die Wahrheit sage,
wenn du mich verstehst, auch wenn du die Welt etwas anders siehst,
wenn die Tinte aufs Papier fließt und ich schreiben kann,
wenn ich dann auch noch die richtigen Worte finde,
wenn ich blindes Vertrauen erfahre,
und wenn ich Vertrauen schenken möchte,
wenn es nach frisch gemähtem Rasen riecht
und deine Hand vorsichtig in meine kriecht,
wenn ich denke es kann grad alles so bleiben,
weil es sich gut anfühlt,
wenn mich Mut erfüllt und ich den ersten Schritt mache,
wenn mein Spiegelbild und ich uns mal einig sind
und ich in einem Kompliment ein Fünkchen Wahrheit find‘,
wenn ich verzeihe und mir verziehen wird,
wenn ich mich traue durchzuatmen und hinzunehmen,
wenn ich akzeptieren kann, verlieren kann,
aber wenn ich auch mal gewinne,
wenn in der Tasse Kaffee genug Schaum für mich ist,
wenn ich inmitten der Masse ein Lächeln erwisch,
wenn der Tag lang und anstrengend war und ich endlich nachhause komme
und es nichts zu tun gibt
nur dich und mich
mit geöffneten Herzen

 

 

 

Portrait by Kai 

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